Künstliche Intelligenz und Ihre Tücken

So manches große und renommierte Unternehmen träumt davon, Bewerbungsprozesse automatisieren zu können und damit menschliche Fehler zu minimieren. Erschwerend kommt hinzu, dass der Fachkräftemangel das Gefühl auslöst, man könnte womöglich nicht die allerbesten Talente für sein Unternehmen gewinnen. So auch Amazon.

Künstliche Intelligenz sollte hier Abhilfe schaffen. Die Software sollte anhand von rund 50.000 Schlüsselworten nach geeigneten Talenten suchen. Und natürlich – sonst wäre es keine künstliche Intelligenz – sie sollte lernen und optimieren.

Als Datenbasis erhielt das Programm Bewerbungen aus den vergangenen 10 Jahren. Das Problem daran war jedoch, dass sich ganz offensichtlich sehr viel mehr Männer bei Amazon beworben hatten als Frauen. Insbesondere bei den technischen Berufen. Und so lernte die künstliche Intelligenz ziemlich schnell, dass Frauen eben schlichtweg ungeeignet sind.

Trotz aller bisherigen Fehlschläge geben jedoch viele Personalverantwortliche an, zukünftig durchaus auf die künstliche Intelligenz zur Vorauswahl verstärkt setzen zu wollen. Gut möglich, dass Bewerber lernen müssen, wie sie die geeigneten Schlüsselwörter in Ihrem Lebenslauf platzieren müssen, um überhaupt noch beim HR-Verantwortlichen zu landen. Die Frage die sich mir in diesem Zusammenhang dann allerdings stellt ist, ob man damit die besten Talente oder eher die am besten vorbereiteten findet?

Lebenslanges Lernen

Überall hört man davon. Wir müssen lebenslang lernen. Doch was bedeutet das eigentlich genau?

Da sind natürlich einerseits fachliche Themen: Eine neue Software. Neue gesetzliche Regelungen. In einer globalisierten Welt sollte man auch immer mal wieder mögliche Fremdsprachenkenntnisse prüfen.

Doch das allein genügt nicht. Viel schwieriger ist eine gewisse persönliche Veränderung.

Das beginnt häufig schon mit Kleinigkeiten. Azubis z.B. müssen manchmal noch lernen morgens pünktlich zu sein. Nicht immer in „letzter Minute“ und schon gar nicht immer 2-3 Minuten zu spät zu kommen.

Weiter geht es mit der Arbeitsorganisation. Es ist so einfach sich morgens im Mailverkehr „zu verlieren“. Womöglich findet man die vielen Mails am Morgen sogar belastend? Hier gilt es zum einen die Lage zu analysieren und zum anderen Abhilfe zu schaffen. Vielleicht werden in Ihrem Unternehmen tatsächlich zu viele Mails verschickt. Jeder informiert jeden über alles. Dann können Sie das Thema in einer Besprechung aufgreifen. Vielleicht ist es aber auch nur eine persönliche Form der Überforderung? Dann müssen Sie sich Strategien aneignen, wie Sie damit umgehen können.

Natürlich sollte man sich einen Beruf suchen, der grundsätzlich zur eigenen Persönlichkeit passt. Es gibt jedoch keinen Beruf, der alle Ihre Stärken nutzt und alle Ihre Schwächen ausklammert. So ist es z.B. im Vertrieb nötig auch mal „Fünfe gerade sein zu lassen“. Als Uhrmacher wäre das absolut nicht hilfreich. Insofern können Sie grundsätzlich wählen, ob sehr feingliedrige, präzise Arbeit besser zu Ihnen passt als eine eher „ungenaue“ Arbeitsweise, die zusätzliche noch emotionale Intelligenz erfordert. Aber – so weit weg das auch voneinander scheinen mag – sie müssen etwas lernen, das nicht perfekt zu Ihrem Charakter passt. Sind Sie im Vertrieb bei der Aufzeichnung der Kundenaktivitäten zu präzise, fehlt Ihnen die Zeit im Verkauf. Sind Sie zu unpräzise, verlieren Sie schnell den Überblick und verärgern Vorgesetzte und Kollegen. Und selbst als Uhrmacher haben Sie es manchmal mit Kunden zu tun. Wünsche, Anforderungen, Reklamationen, der Wunsch nach Beratung, – vielleicht sogar ein wenig Small-Talk…

Wenn Sie auf Dauer glücklich und zufrieden sein möchten, dann reden Sie sich besser nicht ein, dass Sie einfach so sind wie Sie sind und daran niemals etwas ändern müssten. Wachsen Sie mit Ihren Aufgaben. Prüfen Sie sich selbst und nehmen Sie mögliche Kritik durchaus zum Anlass zu spiegeln, ob etwas Wahres dran sein könnte.

Lebenslanges Lernen ist aber auch eine natürliche Entwicklung. Denn wir denken mit 40 Jahren sowieso über vieles anders als wir noch mit 20 Jahren darüber dachten. Wir gehen Probleme anders an und gewinnen auch an Selbstvertrauen. Unsere Lebenserfahrung formt unsere Persönlichkeit mit. Es gilt in vielen beruflichen Dingen also nur, diese Entwicklung mitunter gezielter zu steuern. Bleiben Sie also offen und lernen Sie 🙂

Wie wird sich die Digitalisierung auf unsere Arbeitswelt auswirken?

Meiner persönlichen Überzeugung nach langfristig positiv. Langfristig werden sich neue Berufsfelder entwickeln und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen werden diese neuen Berufe ergreifen. <!–more–>

Basis für meinen Optimismus ist z.B., dass Anfang des 20. Jahrhunderts noch rund 60% der deutschen Bevölkerung von Landwirtschaft lebte. Heute sind es noch 3%. Dennoch haben wir heute kein „Heer“ von arbeitslosen Bauern.

Dafür sind eine Vielzahl neuer Berufe entstanden. Junge Leute sind heute App-Entwickler, ebay-Verkäufer, machen digitales Marketing, sind Spiele-Entwickler oder gar eSports-Profis. Sie werden zu gesuchten Big Data Engineers, Media Designern oder Data Warehouse Spezialisten. Und wenn wir uns anschauen, wie viele Dinge in Zukunft vernetzt werden sollen wird eine Vielzahl an IT-Secrurity-Experten benötigt.

Das Problem besteht in der Phase des Umbruchs. Im Laufe der Jahrhunderte sind viele Berufe ausgestorben, – aber heute wird es vermutlich schneller gehen. Und durch die Arbeitsteilung könnten mehr Menschen schneller davon betroffen sein.

Die Digitalisierung betrifft eben nicht „nur“ ein oder zwei Branchen. Auch wenn führende Markt- und Zukunftsforscher sich noch darüber streiten, ob 40% oder 80% aller Berufe von der Digitalisierung betroffen sein werden…meiner persönlichen Meinung nach ist die Anzahl weitaus weniger wichtig als die Geschwindigkeit.

Von klassischen Bankberater an der Kasse gibt es immer weniger. Kleinere Kredite schaut sich schon jetzt kein Kreditsachbearbeiter mehr an. Versicherungen werden nicht nur immer öfter über Internet abgeschlossen, auch in der Schadenregulierung übernimmt die Software immer mehr die Abwicklung. Spannend sind die Diskussionen, ob es in 20 Jahren noch so viele Steuerberater und Architekten geben wird. Oder ob Nano-Roboter manche Operation überflüssig machen werden. Google und andere Unternehmen arbeiten eifrig an einem künstlichen „Call-Center-Assistenten“. Fraglich, ob den Job jemals jemand vermissen wird?

Aber wie auch immer: das Risiko liegt darin, dass es zu schnell zu viele Berufe betrifft. Es werden nicht nur „einfache“ Tätigkeiten ersetzt, sondern Computer werden zunehmend auch komplexere Aufgaben lösen können. Sie werden in den meisten Fällen nicht alle dort arbeitenden Menschen ersetzen, – aber die Anzahl wird geringer und somit muss die Arbeitskraft über mehrere Branchen hinweg umverteilt werden.

Daraus folgt, dass viele Menschen zukünftig Ihre berufliche Tätigkeit womöglich mehrmals im Leben wechseln müssen. Und hier liegt der Teufel im Detail. Dass z.B. das selbstfahrende Mobil kommt scheint heute absehbar. Ganz abgesehen vom Streit über die Technologie wird der persönliche Besitz eines Autos in Großstädten damit immer unattraktiver. Und wenn wir mal einen Moment an unsere Umwelt und unsere Innenstädte denken, ist das vermutlich eine richtig gute Nachricht. Die Kehrseite betrifft allerdings eben nicht nur Taxifahrer, Parkhaus-/Tankstellenbesitzer und Bus- und LKW-Fahrer. Wenn weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen werden auch weniger Autohäuser, weniger Automobilverkäufer, weniger Serviceberater und KFZ-Mechaniker benötigt. Und welche neuen Geschäftsfelder werden all die Hersteller von Getrieben, Katalysatoren, Abgasanlagen und Zündkerzen etc. für sich finden? Hier betreten seit ein paar Jahren völlig neue Akteure den Markt und wie sich dieser Markt zukünftig aufteilen wird ist ungewiss.

Wenn diese Veränderung schnell geht, müssen mehrere hunderttausend Menschen in kurzer Zeit sehr schnell wo anders einen Job finden. Und wie wir am berühmten Beispiel der „Schlecker-Frauen“ gesehen haben, können nicht alle dann eben mal schnell Erzieherinnen werden.

Entwickeln Sie rechtzeitig einen Plan B für Ihr berufliches Leben. Nutzen Sie die Gelegenheit vielleicht mal etwas auszuprobieren, sofern sich Ihnen die Chance bietet. Planen Sie Ihre Karriere sinnvoll und verharren Sie nicht in Situationen oder Unternehmen, die wenig Innovation zeigen oder Sie nicht wertschätzen.

Werden Sie flexibel. Die Chance, dass Sie die kommenden 40 Jahre im selben Unternehmen bleiben ist gering. Und ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen wird mit einer langjährigen Betriebszugehörigkeit immer schwieriger. Wenn Sie bereit sind Verantwortung für Ihr persönliches Berufsleben zu übernehmen muss Ihnen nicht Angst werden vor der digitalen Zukunft.